Leit(d)planken

 

Hinweise, Ideen und Positionen

Diskussionsgrundlage des Verbandes der Motorradclubs Kuhle Wampe

Zusammengestellt von Huhn

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(Bild: ADAC, Broschüre „Motorradfahren auf sicherer Straße“)

 


 

Ein folgenschwerer Leitplankenschaden…

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Das Problem

 

Der Körperanprall von verunglückten Motorradbenutzern gegen die Planke und die Pfosten führt zu schweren und oftmals tödlichen Verletzungen. Bei einem Anprall mit 35km/h resultiert eine Verletzungsschwere von (Verletzungsskala: Abbreviated Injury Scale) AIS >4 (schwerverletzt), höhere Anprallgeschwindigkeiten erzeugen AIS-Klassen von 5 bis 6, die tödliche Verletzungen nach sich ziehen.

 

Die Anbringung von Schutzplanken macht die Verletzungsschwere für verunglückte Motorradbenutzer unkalkulierbar. Die Form- und Materialaggressivität führt dazu, dass der Anteil schwer verletzter oder getöteter Zweiradfahrer bei einem Abkommen von Fahrbahnen, die mit Schutzplanken ausgestattet sind, bei 60,9% liegt. Bei nicht mit Schutzplanken ausgestatteten Fahrbahnen kann dagegen ein Anteil von 37,4% festgestellt werden.

 

(Quelle: Praxisheft Zweiradsicherheit 6, Motorradfreundlicher Straßenbau, Institut für Zweiradsicherheit)

 

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Lösungsvorschläge – Unterfahrschutz
(Unser Favorit!)

Herkömmliche Leitplanken sind so konstruiert, dass die eigentliche Abprall-Planke etwas unterhalb der Höhe der Motorhaube eines durchschnittlichen Pkws angebracht ist. Der verbleibende freie Abstand zwischen Boden und Unterkante der Leitplanke birgt die Gefahr, dass ein gestürzter Zweiradfahrer sich an der Schutzplanke oder dem Stützpfosten schwer oder erschreckend oft auch tödlich verletzt. Der Unterfahrschutz ist eine federnd unterhalb der Schutzplanke angebrachte Stahlplanke, die im Falle einer Kollision Aufprallenergie absorbiert und ein Durchrutschen wirkungsvoll verhindert. Dadurch ist auch keinerlei Berührung mit den scharfkantigen Stützpfosten mehr möglich, die bei höheren Aufprallgeschwindigkeiten wie ein Messer wirken können.


 

Lösungsvorschläge – Träger

Die Anbringung von neuen Schutzplanken muss überprüft, bereits installierte, aber nicht notwendige Schutzplanken sollten entfernt werden.

Bei unverzichtbaren Schutzplanken müssen die Doppel-T-Träger durch die abgerundeten Sigma-Pfosten ersetzt werden.

BeiNeubaumaßnahmen sollten generell Sigma-Pfosten Verwendung finden. Die Ummantelung der Schutzplankenpfosten nach TL-SPU 93 (Protektoren aus Energie absorbierendem Material, Abb. 33) muss möglichst umgehend zum Schutz verunfallender Motorradfahrer vorgenommen werden. Energie absorbierende Pfostenummantelungen (siehe TL-SPU 93) können die Verletzungsschwere von AIS >4 (schwer) auf AIS =1/2 (leicht) reduzieren.

(Quelle: Praxisheft Zweiradsicherheit 6, Motorradfreundlicher Straßenbau, Institut für Zweiradsicherheit)


 

Lösungsvorschläge – Bepflanzung

Als Ersatz für Schutzplanken im Bereich der optischen Kurvenführung bietet sich eine gezielte Bepflanzung an, die durch veränderten Bewuchs (Kurvenfixationspunkt) zu einer Informationsaufnahme im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitswahrnehmung und der Wahrnehmung des Kurvenverlaufs führen kann. Die Bepflanzung kann in Verbindung mit ausreichenden Sturzräumen (siehe Hochborde) zu einer Minderung der Unfallschwere im Kurvenbereich beitragen.

(Quelle: Praxisheft Zweiradsicherheit 6, Motorradfreundlicher Straßenbau, Institut für Zweiradsicherheit)


 

Lösungsvorschläge – Erdwall

Erdwälle können manchmal anstelle von Schutzplanken eingesetzt werden. Sie gewinnen an Bedeutung, wenn keine Unfallauffälligkeit im Pkw/Lkw-Verkehr festzustellen ist und der Kurvenverlauf unproblematisch wirkt.

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(Bild: ADAC, Broschüre „Motorradfahren auf sicherer Straße“)

 


 

Lösungsvorschläge – Sicherung von Hindernissen

 

Vorher: Bauwerk unmittelbar im Straßenseitenraum Nachher: Hindernis beseitigt und durch Herumziehen der Schutzplanke mit Unterfahrschutz gesichert

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(Bild: ADAC, Broschüre „Motorradfahren auf sicherer Straße“)

 


 

So könnte es auch gehen:

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ADAC empfiehlt

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Beispielhaft sind in der Grafik die Ergebnisse aus dem Modellprojekt Euskirchen (Straßen NRW) eines Vorher-/Nachher-Vergleiches über einen Zeitraum von fünf Jahren vor (1992 – 1996) bzw. nach (1999  2003) der Realisierung von Maßnahmen zusammengestellt. Es zeigte sich, dass die Schutzplankenpfostenummantelungen nicht wirksam waren. Deutlich wird der herausragende Beitrag des Unterfahrschutzes zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Da aber selbst durch umfangreiche Maßnahmenbündel nur sehr schwer eine unfallfreie Strecke erreicht werden kann, muss gerade auf die Verringerung der Unfallschwere ein besonderes Augenmerk gelegt werden.


 

IFZ empfiehlt:

Die Ummantelung der Schutzplankenpfosten muss möglichst umgehend zum Schutz verunfallender Motorradfahrer vorgenommen werden.

Die Verwendung von Doppelschutzplanken verhindert zwar das Unterrutschen von verunglückten Motorradbenutzern, aber der Anprall an die Schutzplanken kann zu erheblichen Verletzungsfolgen führen, so dass ihre Verwendung außer bei tangentialen Anprallsituationen wenig sinnvoll erscheint.

Neue Schutzplankensysteme sind in der wissenschaftlichen Erforschung respektive in der Erprobungsphase. Bei den Systemen handelt es sich um Kastenprofile als obere Planke, die weniger scharfkantig (Schweizer Kastenprofile oder Euskirchener Plankensystem) und zudem mit einem glatt profilierten Unterzug verbunden sind, um ein Unterrutschen der Schutzplanke zu vermeiden sowie einen Anprall an das Pfostensystem zu unterbinden.

Es bedarf aber auch hier weiterer Forschungen, die z.B. im Bereich einer Anpralldämmung des Unterzuges ansetzen.


 

IFZ empfiehlt:

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Aber…

Laut Kuhle-Wampe-eigenen Erfahrungen steigert dies potentiell die Gefahr von Streckensperrungen…

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Kuhle Wampe empfiehlt:

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Kuhle Wampe Info-Flyer zum Download